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Geschichte der St. Josefs Kirche und Gemeinde
in Zabrze
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Grundsteinlegung zum Kirchbau St. Josef in Hindenburg. Ein Freudentag fur die Gagfah-Siedlung
Die Urkunde
welche am 31. August 1931 in den Grundstein der Kirche eingemauert wurde hat folgenden Wortlaut:
Ecce tabernaculum Dei cum hominibus! „Siehe die Wohnung Gottes unter den Menschen." Offenb. 24,3.
Heute ist dieser Grundstein zur St. Josefskirche in Hindenburg O/S. gelegt worden, da Pius XI., St. Petri Nachfolger in Rom, Adolf Kardinal Bertram Furstbischof in Breslau, Dr. Valentin Wojciech, Weihbischof in Breslau, Generalfeldmarschall Paul von Benecken dorf und von Hindenburg, Prasident des Deutschen Reiches, Dr. Johannes Lukaschek, Oberprasident der Provinz Oberschlesien, Geistlicher Rat Bertzik, Erzpriester des Dekanats Hindenburg und Johannes Zwior, Pfarrer von St. Andreas ist. An der St. Andreaskirche wirken als Kaplane Paul Moschek, Teophil Fuchs und Ludwig Augustin. Der Kirchenbau ist bedingt durch die Ausdehnung der Kirchengemeinde St. Andreas, die
gegenwartig 47.000 Seelen
zahlt.
Aus der Kirchengemeinde St. Andreas Hindenburg (fruher Zabrze), zu der die Ortschaften Alt=Zabrze, Dorotheendorf, Matthesdorf und Sosnitza gehoren, sind bereits folgende Tochtergemeinden entstanden: Die St.Annnaparochie in der Gemeinde Dorotheendorf, die Parochie Sosnitza und die Kuratie zum hl. Geist auf der Sandkolonie in Hindenburg und die Seelsorgeparochie der PP. Kamilianer an der Alsenstrasse.
Die ersten Vorarbeiten zum Bau der St. Josefskirche wurden im Jahre 1927 von dem am 8.12.29 verstorbenen Herrn Erzpriester Oswald Sonnek getroffen.
Die Bauzeichnungen stammen von Architekten Professor Dominikus Bohm =Koln.
Die Kirche soll Raum fur etwa 3000 Personen bieten. Die Baukosten stellen sich auf 450 000 M. Zur Deckung der Kosten wurden aus dem Ostprogramm 190 000 M bewilligt. S. Eminenz der hochwurdigste Herr Kardinal hat zum Rohbau aus dem Fastenalmosen 10 000 Mark gestiftet. Der Rest soll durch eine Anleihe und durch freiwillige Gaben der opferwilligen Gemeinde aufgebracht werden.
Die Erdbeton = und Mauerarbeiten sind der Firma Nast.=Bau Akt. Ges., Filiale Hindenburg, die Zimmerarbeiten dem Zimmermeister Johannn Gollenis Hindenburg, der eiserne Dachstuhl den Vereinigten Oberschlesische Huttenwerken, Abt. Donnersnarckhutte Hindenburg ubertragen worden.
Zur Freude der Gemeinde fand der erste Spatenstich durch Herrn Pfarrer Johannes Zwior am 8. August 1930 statt.
Die neue Kirche ist dem hl. Josef, dem Patron der Arbeiter geweiht.
Moge der Bau unter Gottes und des hl. Josef Schutz ohne jeden Unfall fortschreiten. Moge der Bau fordern Gottes Ehre und das Heil unsterblicher Seelen! Dieser Grundstein sei gelegt und trage den Bau fur Jahrhunderte! Christus bleibe der lebendige Eckstein der St. Josefskirchengemeinde fur alle Zeiten!
Hindenburg , am 31.August 1930.
Johannes Zwior, Pfarrer von St. Andreas.
(Es folgen die Unterschriften der Kirchenvorstandsmitglieder)
Die Entstehung der Pfarrei geht in die Jahre 1921/22 zuruck, als nach der Abstimmung der Fluchtlingsstrom aus Ostoberschlesien zum Bau ausgedehnter Wohngebiete im Suden der Stadt fuhrte. Das Territorium der jetzigen Gemeinde gehorte teilweise zur St. Anna oder St Andreas Gemeinde. Auf diesem Gebiet wurde zuerst die neue GAGFA Siedlung erbaut, spater die Erntedanksiedlung und dann die Siedlung auf dem Kusteracker. Die erste neuangelegte Strasse war die Abstimmungstrasse. Am 6 Januar 1930 wurde fur die neuen Einwohner in der Waldschule mit Kaplan Antonius Tomeczek von der St. Andreas Gemeinde die erste heilige Messe gefeiert.
Schon im Jahre 1928 erwahnte man den Bau einer eigenen Kirche. Den ersten Entwurf gab der Potsdamer Architekt Arthur Kickton. Nach seinem Konzept sollte die neue Kirche der St. Barbara Kirche in Beuthen ahnlich sein und auch der hl. Barbara, der Schutzpatronin der Bergarbeiter geweiht werden. Nach dem plotzlichen Tode des zustandigen Pfarrers von St. Andreas Pfarrer Oswald Soneck /1929/ wurde Johannes Zwior zu seinem Nachfolger als Pfarrer von St. Andreas ernannt. Pfarrer Zwior und der Gemeinderat von St. Andreas in Zusammenarbeit mit dem Stadtischen Bauamt anderten die Konzeption und beauftragte den inzwischen beruhmt gewordenen Architekten Dominikus Bohm mit dem Bau der neuen Kirche. Dominikus Bohm Architekt, Professor an den Kolner Werkschulen, geb.1880, gest. 1955 war einer der Bahnbrecher des neuen Kirchenbaues zwischen den beiden Weltkriegen. Ausser unserer Kirche stammen von ihm die Entwurfe anderer sakraler Bauten wie: St. Johannes Baptist in Neu Ulm, St Kamillus in Monchen Gladbach, St. Engelbert in Essen, St. Elisabeth in Koln - Hohenlind, Hl. Kreuz in Dulmen, Christus Konig in Leverkusen - Kupersteg, Heilig Kreuz in Osnabruck-Schinkel und die Benediktiner Abtei in Vaals /Holland/. Nach dem aweiten Weltkrieg stammt von seinem Sohn der Entwurf der Wallfahrtskirche in Neviges.
Die gegenuber dem Kampfbahnstadion an der Einmundung der breiten, kilometerlangen Pfarrstrasse / ul. ks. Damrota/ in die Hauptstrasse - Sosnitzaer Strasse / ul. Roosevelta / als roter Backsteinbau errichtete Gemeindekirche besticht jetzt durch das monumentale Aussere. Der Gesammtaufbau: Vorbau mit Paradieshof, Glockenturm, Hauptraum mit dem runden Chor. Inneres und Ausseres gehen klar zusammen. Von der Pfarrstrasse aus zeigt sich der edle Zusammenklang des ganzen Bauwerks. Das Bogenwerk der vorderen Paradieswand, ist das Grundmotiv fur die Gliederung. Die Bogen kehren wieder in den Schalloffnungen des Turmes, im inneren Umgang und in den Fenstern. Auf der Westseite zeigt sich der Kirchbau in seiner gewaltigen Lange.
Die viergeschossige Arkadenwand zwischen zwei hohen fensterlosen Kapellentrakten, ist der Zugang zum Atrium mit dem Missionskreuz. Das Atrium, der sogenannte Paradieshof, wird durch zwei hohe Kapellenbauten und die Giebelwand der Kirche gebildet. Das Paradies ruckt den Hauptraum vom Larm der Strasse wurdig ab und gibt in seiner schonen Stimmung einen erhebenden Auftakt zum Inneren der Kirche und ermoglicht die geistige Vorbereitung der sich versammelnden Gemeinde. Durch eine breite Glaswand wird das Paradies mit der Kirche verbunden und kann dadurch bei einem grossen Andrang mit zum Innenraum eingezogen werden. Der Vorubergehende sieht von aussen durch den Vorhof hindurch im Hauptraum hinten im Presbiterium mystisch das ewige Licht wie ein Mahnzeichen aus einer hoheren Welt. Im Gegensatz zum hohen nach oben weisenden Paradies wird der Blick beim Eintritt in die Kirche mit zwingener Gewalt auf den Hochaltar gerichtet, derselbe gewollte Gegensatz herscht auch zwischen den uberhohen beiden vorderen Kapellenraumen und dem niedrigeren Kirchenschiff. Der Glockenturm hat unten nur drei Seiten und ist so praktisch ausgenutzt. Er ist Taufkapelle und enthalt die dritte Emporengtreppe. Das Licht kommt von oben herab durch ein schones Farbfenster. Der Innenraum der Kirche ist aus unverputzten, hartgebrannten Ziegeln von unterschiedlicher Farbung und jeder Stein erinnert an einen Glaubenden, der Mitglied der lebendigen Kirche Gottes ist. Das Kirchenschiff hat beiderseits eine Reihe von Kapellen zwischen den inneliegenden Strebepfeilern, die den Winddruck aufnehmen. Durch die Kapellen und um die Krypta lauft der Prozessionsumgang. Die Krypta entstand durch die Ausnutzung des Gelandeunterschiedes und der Chorerhohung. Sie gibt einen stimmungsvollen Raum und dient zu Vereinsandachten. Da sie zur Bergmannskapelle bestimmt ist, wird się durch Bergmannslampen mit Ol beleuchtet, die nach einem 150 Jahre alten Lampenmodell angefertigt wurden. Der Altar ist mit Kohle umkleidet und mit einer St. Barbara-Figur geschmuckt. Im Inneren bilden die Pfeilervorlagen kapellenartige Nischen und das Pfeilerrund um den Hochaltar ahnelt dem Arkadenmotiv des Vorhofs. Sieben Arkaden in drei Stocken erinnern an die sieben heiligen Sakramente, welche eine Gabe der Heiligen Dreifaltigkeit sind.
Der Verzicht auf einen herausragenden Kirchturm kommt der Einordnung in das Siedlungsgebiet entgegen und ist ein Zeichen fur die Abkehr von der aus dem Mittelalter uberkommenen stadtebaulichen Dominanz der Kirchenbauten. Mit der ausseren und inneren Gestaltung dieser Kirche hat Zabrze /Hindenburg/ in den 30-Jahren des XX Jahrhunderts seinem Anspruch nach kultureller und wirtschaftlicher Bedeutung Ausdruck und Gestalt verliehen.
Der Bau entstand in einer sehr kurzen Zeit. Der erste feierliche Spatenstich wurde am 8 August 1930 gemacht und schon am 12 Dezember 1931 folgte die Einweihung der Kirche und die Ubergabe fur den taglichen Gottesdienst. Zustandig und verantwortlich fur den Bau war der Pfarrer von St. Andreas Johannes Zwior. Die Konsekration der neuen Kirche durch Bischof Adolf Bertram, erfolgte am 4 September des Jahres 1932.
Wahrend der Feier des ersten Spatenstiches kam es zu einer unerwarteten Auseinandersetzung zwischen dem Baukommitee und dem Pfarrer, welcher erlaubt hatte ein polnisches Lied anzustimmen, was im Programm und vom Baukomitee nicht vorgesehen war. In einer schriftlichen Begrundung seiner Haltung, entschuldigte sich Pfarrer Zwior vor dem Baukommitee, dass dieses Lied im Programm zwar nicht vorgesehen war aber er es doch erlaubt hatte, weil auch polnische Mitglieder der Pfarrgemeinde den Bau finzanziell unterstutzen und mittragen.
Am 1933 wurde der bisherige Caritas - Direktor Johannes Dolla zum Kuratus der neuen Gemeinde ernannt. Er leitete die Gemeinde zuerst als Kuratus und vom 1 Juli 1940 als Pfarrer, bis zu seinem Tod im Jahre 1976. In den Jahren 1954 bis 1956 war er einer von den vielen Priestern der Oppelner Apostolischen Administratur die von der kommunistischen Regierung, angeblich wegen Germanisierung der Bevolkerung, abgesetzt wurden und zwangsweise das Gebiet von Oberschlesien verlassen mussten. Pfarrer Johannes Dolla war ein hervorragender Kunstkenner und es ist sein grosser Verdienst, dass er die neuzeitliche Kirche mit vielen Kunststucken ausgestattet hat.
Wahrend des zweiten Weltkrieges in den Jahren 1939/40 wurde von der Orgelfirma Rieger - Jagerndorf eine zweiteilige Orgel erbaut: die grosse auf der Empore und die kleine in der Krypta. Ab 1990 befindet sich die kleine Orgel im Altarraum.
Vom beruhmten Architekten Dominikus Bohm stammt die grosse Rosette auf der Orgelbuhne und das hohe Fenster der Westwand, welches in drei Bildern das Geheimniss der Heiligen Eucharistie darstellt: Abraham opfert seinen Sohn Isaak, das letzte Abendmahl und die heilige Messe. Nach den Planen von Dominikus Bohm sollten in den Fenstern der Westwand alle 7 heiligen Sakramente dargestellt werden, aber diese Plane wurden wegen den Ereignissen des zweiten Weltkrieges nicht verwirklicht. Von Prof. Dominikus Bohm stammen auch die Entwurfe von zwei weiteren Fenstern: in der Kapelle der Mutter Gottes von Fatima und in der Ostwand des Presbyteriums, welche nach dem zweiten Weltkrieg auf Grund der Vorlagen vom Glasmaler Tomasz Zuber aus Oberglogau ausgefuhrt wurden.
Erwahnenswert sind Werke von Anton Figel aus Munchen: Die Mosaik der Stigmatisierung des hl. Franziskus in der Nische nahe der Kanzel und die Kreuzwegbilder.
Der Herz Jesu-Altar an der rechten Seite der Kommunionbank ist ein Werk von Karl Schink aus Beuthen.
In der Krypta befindet sich ein Altar aus Kohle zu Ehren der heiligen Barbara, erbaut von Bergarbeitern der Dellbruck - Schachte /Makoschau/. Die Krypta ist auch mit 10 bunten Fenstern ausgeschmuckt, welche Symbole der 10 Gebote Gottes darstellen. Die Ausfuhrung aus dem Jahre 1994 stammt von der Firma „Wójcik” aus Oppeln.
In einer Nische der Westwand befindet sich ein Altar zu Ehren der Schwarzen Madonna von Tschenstochau. Die Mosaik aus dem Jahre 1970 ist ein Werk von Norbert Paprotny aus Zabrze.
Die Figuren der Mutter Gottes von Fatima und der Kindergruppe /1952/, so wie auch der Altar des heiligen Maximillian Kolbe/ 1973 / in den Kapellen an der rechten und linken Seite des Haupteinganges sind Werke des Bildhauers Franciszek Masorz aus Rybnik.
Am Ende des zweiten Weltkrieges im Januar 1945, entstanden etliche Schaden: zwei Granaten schlugen in die Turme ein, das Dach wurde beschadigt und Fensterscheiben fielen aus.
Im Febuar 1945 wurden viele Manner im Alter von 16 bis 60 Jahren zuerst in Lagern in Oberschlesien interniert und dann in die Sowjetunion verschleppt. Sehr viele von ihnen starben an Hunger und Typhus und nur ein Teil von ihnen kehrte nach vielen Monaten oder Jahren in die oberschlesische Heimat oder nach Deutschland zuruck. Spater, in den funfziger und sechziger Jahren des XX Jahrhunderts, zuerst illegal, dann in den 80. und 90. Jahren auch legal, verliessen viele bisherige Einwohner ihre oberschlesische Heimat und wanderten uberwiegend nach Deutschland aus. Zur Zeit spurt man in der Gemeinde die Folgen der grossen Auswanderung besonders junger Familien und wegen Schliessung der Gruben und Hutten, die bedruckenden Folgen der Arbeitslosigkeit.
Nach der politischen Wende im Jahre 1991 wurde der Gebrauch der deutschen Sprache im Gottesdienst wieder erlaubt. Seit dieser Zeit wird regelmassig an jedem Sonnabend um 17.00 Uhr eine Vorabendmesse fur den Sonntag in deutscher Sprache gefeiert, an welcher zur Zeit ca. 200 - uberwiegend altere Personen - teilnehmen.
Die Urkunde welche am 31. August 1931 in den Grundstein der Kirche eingemauert wurde endet mit folgenden Worten:
"Moge der Bau fordern Gottes Ehre und das Heil unsterblicher Seelen! Dieser Grundstein sei gelegt und trage den Bau fur Jahrhunderte! Christus bleibe der lebendige Eckstein der St. Josefskirchengemeinde fur alle Zeiten!"
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